Sonntag, 19. April 2015

Kann man da am Preis noch was machen?

Das ist eine der schlimmsten Fragen, die uns als Hersteller von individuellen und handgefertigten Qualitätsprodukten erreicht. Wenn ich diese Frage in einer Nachricht lese, bin ich gleichzeitig empört, belustigt und möchte dem Fragesteller über den Kopf streichen. Er weiß es nicht besser.

Wie legen wir einen Preis für ein Produkt fest?
In den Gesamtpreis müssen folgende Komponenten eingerechnet werden: die Kosten für das Material des Produkts (Holz, Leim, Farbe, Lack, Distressmaterial), für Verschleißmaterial bei der Herstellung (Schleifmaterial, Stifte, Sägeblätter,…) und die anteiligen Kosten für Abnutzung der Werkzeuge (Sägen, Schleifmaschinen, Presse, Werkzeugtische, Handwerkzeuge,…). Die Bürokosten darf man nicht vergessen (Internetkosten, Kosten für die Webseiten, Gebühren für den Verkauf auf Internetplattformen in Form von Einstellgebühren und Verkaufsprovisionen, Papier, Büromaterial), und ebenfalls anteilig eingerechnet werden müssen die Unterhaltungskosten für die Werkstatt: Strom, Wasser, Heizung, Reinigung, ab und zu Renovationsarbeiten,...

Noch bevor die Herstellung des Produkts überhaupt anfängt, beginnt schon unsere Arbeitszeit. Es wird eine Idee geboren, wir diskutieren, wie wir dieses oder jenes machen wollen, Entwürfe werden angefertigt und verworfen, Schablonen werden geschnitten, es wird ein Austausch mit dem Kunden geführt über seine Wünsche, der Artikel wird eingepflegt. Das alles passiert, bevor das Holz überhaupt berührt wird. Und das gehört zu unserer Arbeitszeit, genauso wie dann letztendlich die Minuten oder Stunden, in denen direkt am Holz gearbeitet wird. Hinzu kommt der Zeitaufwand für den E-Mailverkehr nach der Herstellung, das Rechnungen Erstellen und Drucken, das Verpacken, den Transport zur Post. Und natürlich lassen wir uns unsere Arbeitszeit bezahlen.

In den letzten Sätzen kann man schon weitere Kosten erkennen, die wir nicht hätten, hätten wir nicht unsere Shops. Diese gehören jedoch genau genommen zu den Versandkosten: Verpackungsmaterial (Kartons, Füllmaterial, Klebeband, Aufkleberpapier, anteilig Druckkosten). Wir fahren die Pakete mit dem Auto zur Post, verfahren Benzin, nutzen unser Auto anteilig ab.
Bestimmt habe ich noch ein paar Sachen vergessen, für die Kosten anfallen…

Und zum Schluss die Steuern: All unsere Einnahmen müssen selbstverständlich versteuert werden. (Selbst die Versandkosten, die der Kunde an uns bezahlt, müssen voll versteuert werden!) Schauen Sie auf Ihre Gehaltsabrechnung, was am Ende übrig bleibt. Bei uns ist das nicht anders.

Nur wer diese Kosten alle bedenkt, kann letztendlich mit Erfolg und auch mit Gewinn arbeiten. Unser Ziel ist es in der Tat, Gewinn zu machen! Natürlich geht es hier nicht darum, reich zu werden. Aber es soll bei der vielen Zeit, die wir investieren, schon etwas für uns übrig bleiben.
Wir lieben es, diese Dinge zu tun: Sachen zu entwerfen, mit den Menschen zu kommunizieren, mit dem Holz zu arbeiten und letztendlich etwas Tolles herzustellen. Aber wir würden es nicht tun, wenn wir nicht dafür wertgeschätzt würden, und das in erster Linie durch eine gerechte Bezahlung.

Wenn man diese Kostenauflistung von oben noch einmal durchgeht, dann fällt dem genauen Leser auf, dass wir nur auf eine einzige der Komponenten Einfluss haben: auf die Bezahlung unserer Arbeitszeit. Wenn uns also jemand diese Frage stellt – Kann man da am Preis noch was machen? – dann fragt er danach, ob wir einen Teil unserer Arbeitszeit UNBEZAHLT für ihn/sie arbeiten werden. Die Antwort lautet: Nein. Wir tun das nicht.

Und wie ist das mit Freunden und lieben Bekannten?
Menschen, die uns mögen und uns wertschätzen, bezahlen den vollen Preis. Und sie zahlen ihn gern, weil sie wissen, was unsere Zeit und unsere Arbeit wert ist.
Dankeschön, dass ihr das tut! Dass SIE das tun!

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